Fahrradlexikon

Was ist eigentlich ein Nippelspanner?

Wegweiser durchs Fahrrad-Fachchinesisch

Kennen Sie das auch? Da unterhalten sich zwei über Fahrräder, und Sie verstehen kein Wort. Oder sie möchten einen Fahrradschlauch kaufen, und der Händler fragt „Sclaverand oder Dunlop?“ – Häh? Rund ums Fahrrad gibt es zahlreiche Fachbegriffe. Einige davon zu kennen, kann hilfreich sein. Zum Beispiel, um Missverständnisse bei Wörtern wie „Nippelspanner“ zu vermeiden. Und es ist doch netter, das Rad mit den Worten „Ich glaube, der Steuersatz hat Spiel“ zur Werkstatt zu bringen, als zu beschreiben, dass der Lenker irgendwie komisch wackelt – wobei Ihr VSF-Händler selbstverständlich auch diese Diagnose versteht! Hier erklären wir für Sie einige gängige Fachbegriffe.

Von Wolfgang Wagener

A

Aheadset

 
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Als Aheadset werden gewindelose →Steuersätze bezeichnet. Dabei hat die Gabel kein Gewinde; der →Vorbau wird auf den Gabelschaft geschoben. Das Lagerspiel wird über eine in den Gabelschaft eingeschlagene Kralle eingestellt. Standard bei Mountain-Bikes und Rennrädern, auch bei anderen Rädern weit verbreitet. Ursprünglich ist der Begriff „Aheadset“ eine eingetragene Marke der Firma Dia Compe.

Ausfallende

 
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Fachbegriff aus dem Rahmenbau für den Teil des Rahmens, der die Achse des Laufrades aufnimmt. Ausfallenden sitzen an den Gabelenden und am Ende des →Hinterbaus. Einfache Ausfallenden sind gestanzt oder sogar nur aus Blech gepresst. An guten Rahmen sind die Ausfallenden geschmiedet.

B

Bowdenzug

 
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Gesprochen „Baudenzug“, benannt nach dem Erfinder Ernest Monnington Bowden. Über Bowdenzüge werden Bremsen und Schaltung am Rad betätigt. Ein Bowdenzug besteht aus einem Stahldraht (Innenzug), der die Zugkraft überträgt, und einer äußeren Hülle (Außenzug), die als Gegenlager zur Abstützung dient. Brems- und Schaltzüge haben übrigens unterschiedliche Durchmesser und Außenhüllen, sind also nicht austauschbar. Damit ein Bowdenzug immer schön leicht geht, braucht er gelegentlich etwas Wartung – fragen Sie Ihren VSF-Händler!

C

Cleats

 
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Adapterplatten, die unter spezielle Radschuhe geschraubt werden, und in →Systempedale einrasten. Unterschiedliche Pedalsysteme erforden jeweils eingene Cleats.

E

Entfaltung

 
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Die Wegstrecke (in Metern), die pro Kurbelumdrehung zurückgelegt wird. Die Entfaltung errechnet sich aus dem Umfang der →Laufräder und der →Übersetzung. Je nach Übersetzung liegt die Entfaltung zwischen einem (extremer Berggang) und zehn (größter Gang beim Rennrad) Metern.

H

Hinterbau

 
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Das hintere Dreieck des Rahmens, in dem das Hinterrad sitzt. Der Hinterbau wird gebildet durch das Sitzrohr (in dem die Sattelstütze steckt), die Kettenstreben (zwischen Tretlager und Hinterradnabe) und den Sitzstreben (von der Hinterradnabe zum Sitzrohr).

K

Kassette

 
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Der Block der hinteren Zahnräder/→Ritzel (bei Rädern mit Kettenschaltung) wird zusammengefasst Ritzelpaket oder Kassette bezeichnet.

Klickpedal

 
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→Systempedal

Kettenblatt

 
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Das oder die vorderen Zahnräder des Kettenantriebs. Räder ohne Schaltung oder mit Nabenschaltung haben ein Kettenblatt, Räder mit Kettenschaltung bis drei.

L

Laufrad

 
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Vorder- oder Hinterrad werden als „Laufrad“ bezeichnet. Denn es ist einfach verständlicher, vom „Laufrad meines Fahrrads“ zu sprechen als vom „Rad meines Rades“. Beide Laufräder zusammen sind der Laufradsatz. Das Laufrad besteht aus Nabe (das Ding in der Mitte), Speichen und Felge. Bitte nicht mit dem Laufrad des Freiherrn von Drais und seinen modernen Nachfahren, den Laufrädern für kleine Kinder verwechseln!

N

Nippelspanner

 
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Auch: Speichenschlüssel. Werkzeug zum Justieren der Speichenspannung. Dazu wird mit dem Nippelspanner der Speichennippel gedreht - daher der Name.

R

Ritzel

 
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Anderer Begriff für die hinteren Zahnräder bei Fahrrädern mit Kettenantrieb. Räder ohne Schaltung (→Singlespeed) sowie mit Nabenschaltung haben hinten ein Ritzel, Fahrräder mit Kettenschaltung bis zu 12 Ritzel. Ritzel sind Verschleißteile und sollten regelmäßig geprüft und erneuert werden. Ihr Händler hilft gern dabei.

S

Schaltwerk

 
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Das Schaltwerk ist Bestandteil einer Kettenschaltung. Es sitzt unterhalb der Hinterachse und bewegt die Kette über die hinteren →Ritzel.

Schnellspanner, Schnellspannachse

 
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Erfunden, um beim Radrennen schnell das →Laufrad wechseln zu können. Die Achse des Laufrades wird nicht auf beiden Seiten mit Muttern gesichert, sondern mit einem Schnellspannhebel zwischen den →Ausfallenden festgeklemmt. Das geht schnell und ohne Werkzeug. Deshalb sind Laufräder mit Schnellspannern auch diebstahlsgefährdet: Beim Abschließen mit Schloss am Rahmen sichern!

Spacer

 
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Distanzscheiben, werden bei →Aheadsets zwischen den →Steuersatz im Rahmen und den →Vorbau oder zwischen die →Ritzel einer →Kasette gesetzt.

Steckachse

 
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Besonders steife Achsen zur Befestigung der Laufräder im Rahmen. Eine Steckachse wird auf einer Seite direkt in die Aufnahme am Rahmen eingeschraubt, auf der anderen Seite durch einen Hebel oder eine Mutter gesichert. Steckachsen sind steifer als →Schnellspannachsen und werden daher bei Federgabeln und Scheibenbremsen eingesetzt. Sie erfordern Rahmen mit speziellen →Ausfallenden.

Steuersatz

 
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Als Steuersatz wird das Lenkungslager des Fahrrades bezeichnet. Dank dieses Lagers kann man überhaupt lenken, also den Lenker und die Gabel im Rahmen drehen. Ein Steuersatz besteht in der Regel aus zwei Kugel- oder Walzenlagern, die im →Steuerrohr sitzen. Das obere Lager ist entweder mit dem Gabelschaft verschraubt (der dazu ein Gewinde hat) oder ohne Gewinde verbunden (→Aheadset). Lässt sich der Lenker nur schwer drehen oder hat er Spiel, muss das Lager nachgestellt oder gewartet werden.

Systempedal

 
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Stellt eine feste Verbindung zwischen Schuh und Pedal her.Ein unter dem Radschuh verschraubter Adapter (→Cleats) rastet in den Mechanismus des Pedals ein (wie bei einer Skibindung). Durch Drehen oder Kippen des Fußes wird die Verbindung wieder gelöst. Macht den Pedaltritt effizienter, Trittkraft kann auch durch Ziehen nach oben genutzt werden. Verbreitet an sportlichen Mountain-Bikes und Rennrädern; Kombipedale (eine Seite für Schule mit Cleats, eine Seite für normale Schuhe) auch an Touren- und Reiserädern.

U

Übersetzung

 
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Anders als bei Autos lassen sich bei Kettenschaltungen die Gänge nicht so recht nummerieren, da es verschieden große Ritzel und Räder mit zwei oder drei Kettenblättern gibt. Man spricht also nicht vom zweiten, dritten oder vierten Gang, sondern betrachtet stattdessen die sogenannte Übersetzung. Das ist das Verhältnis der Zähnezahl von →Kettenblatt und →Ritzel. Die Übersetzung bestimmt, wie häufig sich das Hinterrad pro Kurbelumdrehung im jeweiligen Gang dreht. Sind Kettenblatt und Ritzel beide gleich groß eine 1:1-Übersetzung), drehen sich Kurbel und Hinterrad gleich schnell. Mit einem Kettenblatt mit 52 Zähnen und einem Ritzel mit 13 Zähnen, also einer Übersetzung von 4:1, dreht sich das Hinterrad bei einer Kurbelumdrehung viermal. Eine solche Übersetzung tritt sich schwerer als eine von 2:1, z.B. ein Kettenblatt mit 32 und ein Ritzel mit 16 Zähnen. Bei extremen Bergängen kann das Ritzel sogar größer als das Kettenblatt sein. Dann spricht man von Untersetzung. Siehe auch →Entfaltung.

Umwerfer

 
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Ein Umwerfer ist Bestandteil einer Kettenschaltung. Er sitzt oberhalb des Tretlagers und bewegt die Kette zwischen den →Kettenblättern.

V

Vorbau

 
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Auch Lenkerstütze genannt: verbindet Gabel und Lenker. Je nachdem, ob das Rad eine Gabel mit oder ohne Gewinde hat, wird ein Vorbau mit oder ohne Schaft benötigt. Mit unterschiedlichen Vorbaulängen und -winkeln lassen sich Lenkerposition und Sitzhaltung verändern. Klassische Vorbauten mit Schaft sind auch in der Höhe verstellbar (dazu muss nur die Spannschraube des Vorbaus, nicht aber der Steuersatz gelöst werden). Es gibt auch Vorbauten, deren Winkelstellung verstellbar ist.